Die 29. Tour (16. und 17. September 2022)

Wie gewohnt ging es nach einem gemeinsamen Kaffee am Freitagmorgen los. Dabei waren diesmal Claudia, Michael, Rüdiger und Titus.



Die Fahrt verlief ruhig, wurde aber ab der polnischen Grenze durch wunderschöne Regenbögen versüßt, wie man hier erkennen kann.





Kurz vor Warschau konnten wir diesmal wieder mit tatkräftiger Unterstützung durch Freunde von Dima direkt am Zwischenlager ausladen. Außerdem hatte Dima leckere Penne Carbonara vorbereitet, die wir dann zum Hotel mitnahmen, wo wir sie zusammen mit Chips und Bier verköstigten und den Abend mit Gesprächen über Gott und die Welt besiegelten.


Der zweite Tag begann im Speisesaal des Hotels in einer ungewöhnlichen Atmosphäre, da außer uns auch eine große Gruppe gehörloser SchachspielerInnen frühstückten, die hier aus aller Welt zu einem Schachturnier zusammengekommen waren.


Dann ging es zum Expo-Gelände. Dort trafen wir nach kurzer Wartezeit auf 5 Gäste, die mit uns zurückfahren wollten: Eine Familie mit einer jungen Tochter, die nach Frankfurt an der Oder wollten, sowie eine Großmutter mit betagten 86 Jahren und ihrem 63 Jahre alten Schwiegersohn nebst freundlichem Hund, deren Ziel Hamburg war, um von dort mit dem Zug weiter nach Neumünster in die Erstaufnahme zu fahren.


Aufgrund der unterschiedlichen Destinationen unserer Gäste entschlossen wir uns, getrennt zurück zu fahren. Michael und Rüdiger brachten die Kleinfamilie nach Frankfurt an der Oder und wir entschieden uns, die Oma und Schwiegersohn direkt nach Neumünster zu bringen, da sie schweres Gepäck hatten und beide nicht gut zu Fuß waren.


Wie immer bei diesen Fahrten stand uns jetzt der schwierige Teil der Reise bevor. Nachdem sich die Kommunikation über Google-Translater als uneindeutig erwiesen hatte und wir nicht mehr sicher über die tatsächlichen Ziele unserer Gäste waren, schalteten wir unsere ukrainisch sprechende Freundin zu, die die Missverständnisse aufklären konnte. Die Lage im Bus entspannte sich und wir erfuhren mehr und mehr vom Schicksal unserer Gäste. Beiden hatten ihre Angehörigen, die Ehefrau bzw. Tochter und die vier minderjährigen Kinder bzw. Enkelkinder zuletzt im April gesehen, weil sie dann nach den Bombardierungen auf Charkiw, ihrer Heimatstadt, fliehen mussten und zwischenzeitlich in Italien untergekommen waren. Die beiden anderen waren zurückgeblieben, die Oma wegen ihrer eingeschränkten Bewegungsfähigkeit und der Schwiegersohn, Sergej, ein HNO Arzt, der gerade in Rente gegangen war, weil er einen Bandscheibenvorfall gehabt hatte.


Nachdem das Eis gebrochen war, bekamen wir viele Bilder aus glücklicheren Zeiten, unter anderem von einem Urlaub auf der Krim, aber auch die Bilder der Zerstörungen der letzten Monate gezeigt, so dass wir oft sprachlos waren.


Die Fahrt zog sich und es wurde dunkel, es gab gewaltige Regengüsse, die ersten Vorboten des Herbstes waren da, als wir endlich in einer kurzen Regenpause in Neumünster angekommen waren. Nach einigem hier und her erklärten uns die freundlichen russischstämmigen Leute dort, dass unsere Gäste nach der Registrierung weiter nach Boostedt transportiert würden. Wir luden aus und entschlossen uns nach der Verabschiedung von unseren Gästen aufgrund steigenden Blasendruckes kurz in einem Restaurant vorbeizuschauen. Einmal dort gönnten wir uns ein alkoholfreies Flens. Dieser verlängerte Stopp erwies sich als glücklich, denn kaum war die Flasche fast leer, bekamen wir einen Anruf, wonach eine unserer Reisetaschen wohl versehentlich mit ausgeladen worden war, ohne dass wir es bemerkt hatten. Also ließen wir uns den Weg erklären und fuhren nach Boostedt, zu einer alten Kaserne, wo wir am bewachten Schlagbaum unser Anliegen vortrugen. Auch dort kamen wir dann nach einigen Telefonaten mit dem russischen Mann in der Erstaufnahme in Neumünster und unserem Gast Sergej, geführt von einem freundlichen Mann aus Aserbaidschan, der neben einem guten Deutsch natürlich aus russisch sprach (übrigens ein Jurist, deren Eltern in Moskau Naturwissenschaften studiert hatten) durch. Ein junger Mann aus dem Iran, der ebenfalls am Schlagbaum wachte, fuhr mit uns auf das Kasernengelände, wo uns Sergej freundlich mit der Tasche begrüßte und auf Nachfrage auch mit der Unterbringung zufrieden zu sein schien.


Nach einem weiteren sehr netten aber kurzen Plausch über Krieg und Frieden mit den beiden auch aufgrund von politischen Katastrophen an diesem Ort gelandeten Wächtern am Schlagbaum fuhren wir erleichtert darüber, dass es unsere Gäste offenbar gut getroffen hatten und wir unbeschadet fast 2.000 km zurückgelegt hatten nach Hause. Uns war mal wieder bewusst geworden, wie gut es uns eigentlich geht und wie dünn das Eis ist, auf dem wir uns bewegen.

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