Statt Urlaubsreise jetzt Hilfstransporte



Artikel von Michael Hertel im Hamburger Wochenblatt vom 23. April 2022


„Nicht schnacken – Machen!“ packt ordentlich an

BRAMFELD/RAHLSTEDT „Eigentlich wollten mein Mann und ich nur in einen lange geplanten Urlaub nach Kiew fahren. Dann kam der Krieg dazwischen, und wir überlegten: Da muss man doch etwas tun“, schildert Bauingenieurin Katharina Knothe (55) aus Rahlstedt auf der Bramfelder Stadtteilkonferenz die Anfänge ihrer Ukraine-Hilfe.

Die trägt inzwischen den passenden Titel „Nicht schnacken – Machen“ und ist schon ordentlich gewachsen: Rund 15 bis 20 Helfer/-innen sind ständig dabei, Sachspenden zu sammeln und diese in die Ukraine zu transportieren: In der vergangenen Woche fuhren zwei Sprinter-Kleinbusse zum siebten Mal nach Warschau (Fahrzeit: rund elf Stunden).

Dort sind die Hamburger Blauhemden mit eigenem Logo bereits bekannt. Knothe: „Erstmal hat sich die Warschauer Polizei in Amtshilfe beim Hamburger Landeskriminalamt erkundigt, ob wir seriös sind“, schildert die Meiendorferin. Inzwischen werden „die Blauen“ in der polnischen Hauptstadt wie alte Freunde begrüßt. Sie helfen vor Ort, Eisenbahnzüge für Kiew und Charkiw zu beladen. Raffiniert: Die Züge werden von Dampfloks gezogen, die weder elektrischen Strom noch Dieselöl brauchen.

Auch bei der Wahl der eigenen Transportmittel hat man sich etwas gedacht: Mit den vom „CaFée mit Herz“ (St. Pauli), vom Bauspielplatz Rahlstedt und dem Jugendzentrum „Startloch“ zur Verfügung gestellten Sprintern müssen die Hamburger sich nicht in endlose Lkw-Schlangen nach Polen einreihen und dürfen auf dem Rückweg Personen mitnehmen.

Dabei könnten die Helfer durchaus größere Lastwagen füllen, denn die Spendenbereitschaft ist sowohl bei Privatpersonen wie auch bei Firmen riesig. So stellte etwa das Wandsbeker Nestlé-Werk große Mengen an Schokoriegeln zur Verfügung, die Firma Erasco versorgt Ukrainer mit Dosensuppen, die Alte Apotheke in Volksdorf kommt der Initiative beim Einkauf von Medikamenten entgegen und in der Werkstatt von TP Fahrzeugtechnik Hoisdorf wurden Nachtschichten eingelegt, um ein Fahrzeug flott zu machen. Mit dieser Unterstützung konnten schon mehr als zehn Tonnen Sachspenden abgeliefert und mehr als 40 Kriegsflüchtlinge nach Hamburg gebracht werden. Die ehrenamtlichen „Macher“ stellen sich auf einen längeren Einsatz ein.

Und das wird unter anderem gebraucht: Wollsocken (mit der Initiative „Stricken für den Frieden“), haltbare Lebensmittel, Kondensmilch, Hygieneartikel, Klopapier, Babynahrung und Babykleidung (keine Oberbekleidung für Erwachsene), Unterwäsche, Krücken!!, Vliesdecken, Schlafsäcke, Verbandsmaterial. Spenden kann man zu den üblichen Öffnungszeiten beim Hohnerkamp Offener Treff („HOT“; Am Stühm-Süd 83) oder beim Bramfelder Haus der Jugend (Herthastraße 16) abgeben.



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